Der erste Blick am Morgen geht bei mir aus dem Fenster - sind es so viele Wolken wie vorhergesagt, ist der Regen schon da, windet es wirklich so stark wie gedacht ?

Denn um eine gute Wettervorhersage zu machen, muss man erstmal das aktuelle Wetter analysieren und schauen, ob die Wettermodelle beziehungsweise welches Wettermodell das heutige Wetter richtig vorhergesagt hat. Da gibt es nämlich große Unterschiede: Bei bestimmten Wetterlagen versagen die meisten Modelle, da muss man nach dem Bauchgefühl gehen. Bei anderen Wetterlagen sind sich alle einig und eine Prognose ist leicht.

Diese Wettermodelle entstehen in riesigen Computern. In sie werden Unmengen aktuelle Wetterdaten und Klimawerte geworfen. Dann rechnet so ein Monstercomputer stundenlang komplizierte, ewiglange Formeln, um das Wetter, das heißt die Temperatur, den Luftdruck, die Niederschlagsmenge, den Wind und viele andere meteorologische Werte für die nächsten Stunden und Tage zu errechnen. Vor allem die Engländer, die Amerikaner, aber auch die Deutschen haben sehr gute solcher Wettermonstercomputer, die Vorhersagen ausrechnen.

Wir Meteorologen vergleichen diese verschiedenen Modellläufe und beobachten das aktuelle Wetter - daraus basteln wir dann die Wetterkarten, die Sie im Fernsehen sehen. Manchmal muss man wirklich komplett auf Erfahrung und Bauchgefühl setzen, denn die Prognosemodelle haben sich verrechnet. Manchmal glaubt man an ein Modell, aber leider entscheidet sich das Wetter anders und beispielsweise das Tief mit Regen, was für morgen Vormittag vorhergesagt wurde, kommt erst am Abend. Das kann passieren, denn das Wetter ist ein chaotisches System. Sehr oft liegen wir aber zum Glück richtig. Zum Beispiel die Temperatur von morgen hat eine Treffsicherheit von 90 Prozent.

Ehrlich gesagt werden wir aber auch unbegründeter Weise manchmal verurteilt, ein falsches Wetter prognostiziert zu haben. Wenn wir von einer Schauerwetterlage sprechen ist klar, dass es nicht bei jedem regnen wird. Der eine bekommt eine kräftige Regendusche ab und nur ein Kilometer weiter passiert gar nichts. Da haben wir nichts falsch vorhergesagt, es wird nur von vielen falsch verstanden. Wo genau eine Schauerwolke sich abregnet, kann man maximal ein bis zwei Stunden vorher sagen, aber nicht am Tag zuvor. Auch bei Gewitterwetterlagen werden wir häufig belächelt und es wird gesagt: "Was erzählt ihr denn, bei uns war es den ganzen Tag schön." Aber auch da gilt: Eine Gewitterwolke regnet sich nur lokal aus und nicht über ganz Mitteldeutschland.

Insgesamt finden wir Wetterfrösche die Wetterlagen, die Sie richtig unangenehm empfinden, wie Schneestürme, Luftmassengrenzen oder Superzellen, die Unmengen Regen, Sturm oder Schnee bringen können, am spannendsten. Da macht das Arbeiten am meisten Spaß und ist eine tolle Herausforderung. Aber zwischendurch auch mal ein Hochdruckgebiet mit ruhigem, leicht vorhersagbaren Wetter zu haben, tut aber auch gut und macht vor allem Freude vorherzusagen.

Ich hoffe, Sie haben jetzt einen kleinen Einblick in unsere Arbeit bekommen und sehen unsere Wetterberichte mit etwas anderen Augen?!